VMEA 2009
V-Modell® XT ErfahrungsAustausch
Abstracts
Christian Lange / Jan Friedrich
Bundesstelle f. Informationstechnik (BIT) / 4Soft
Das V-Modell XT Bund: Noch bessere Unterstützung für IT-Projekte in Behörden
Das V-Modell XT ist in der Bundesverwaltung bereits seit 2005 zur Anwendung in IT-Projekten empfohlen. Der Standard definiert Inhalte, die sowohl für die öffentliche Hand als auch für die Industrie gelten. Dadurch kann er nicht auf die Bedürfnisse einer der beiden Seiten optimiert sein. Die V-Modell-Anwender des Bundes machten in zahlreichen Schulungen und Projekten deutlich, dass gerade diese fehlende Abstimmung mit der Behördenwelt die Anwendung erschwert und somit den Erfolg des Vorgehensmodells mindert.
Im Rahmen des 3-Partner-Modells (3PM) wird daher bis Ende November eine behördenspezifische Variante des V-Modell XT erarbeitet werden. Das Projekt wurde vom Referat „IT Steuerung des Bundes“ im Bundesinnenministerium beauftragt und wird von der Bundesstelle für Informationstechnik (BIT 7) betreut. Erarbeitet wird das V-Modell XT Bund von der Bietergemeinschaft aus den Firmen 4Soft, akquinet und MID.
Der Vortrag zeigt die Zielsetzung des Projekts und die wesentlichen Projektergebnisse. Das Projekt hat am 1. August begonnen, deswegen können die Ergebnisse an dieser Stelle nur grob skizziert werden:
• Verankerung des Projekts in der Organisation (Fachseite, IT-Betrieb und Management)
• Integrierte Anwendungshilfen (Mustertexte, Vorlagen)
• Abstimmung mit anderen Bundes-Standards wie UfAB oder EVB-IT
• Abstimmung des Erscheinungsbilds auf das Corporate Design des Bundes
>zur Programmübersicht
Mirko Pracht
Deutsche Marine (Bundeswehr)
Softwareentwicklung in kleinen Projektteams
Anhand eines aktuellen Softwareentwicklungsprojektes wird dargestellt, wie das V-Modell XT in kleinen Projektteams (unter 10 Personen) genutzt werden kann. Im Fokus liegt dabei vor allem die Frage der Anpassbarkeit des V-Modell XT an kleine Projektteams in Bezug auf Tailoring, Rollenbesetzung und Ausgestaltung der Projektkultur. Des Weiteren soll gezeigt werden, welche Schnittstellen zu anderen Prozessen (Requirements Engineering, Prüfprozess) bestehen und wie diese integriert werden können.
>zur Programmübersicht
Annette Siegenthaler
Deutsche Nationalbibliothek
Jonglieren mit 99 Bällen - V-Modell XT light bei der Deutschen Nationalbibliothek
99 Projekte werden derzeit in der Abteilung Informationstechnik der Deutschen Nationalbibliothek jongliert. Davon laufen 59 Projekte, die übrigen sind geplant. Die Empfehlung der Bundesverwaltung, das V-Modell als Vorgehensmodell einzuführen, wurde 2007 in der Abteilung IT umgesetzt, indem ein Workflow vereinbart wurde, der sich an die Projektdurchführungsstrategie der Inkrementellen Systementwicklung (AG/AN) anlehnt. Dies entspricht einem organisationsspezifischen V-Modell, dessen Aufbau in dem Beitrag erläutert wird. Dabei wurde die eigene vertraute Terminologie beibehalten, wodurch die Akzeptanz der Vorgehensweise deutlich erhöht werden konnte. Die Entscheidung hierfür wurde durch die Tatsache erleichtert, dass in den meisten Projekten eine (andere) Fachabteilung des eigenen Hauses Auftraggeber ist. Parallel zur Einführung des V-Modell XT wurde die Projekt-Management Software Projektron BCS eingeführt, die in flexibler Weise das Vorgehen nach V-Modell XT unterstützt. Für alle Projektphasen liegen Templates vor, mit denen das Vorgehen nach V-Modell unterstützt wird. Für die initiale Projektphase werden die vorliegenden Bausteine im System Projektron BCS vorgestellt.
>zur Programmübersicht
Dr. Karl Kollischan
kobaXX
Prozessorientiertes Projektmanagement im V-Modell XT
Im Zuge einer immer stärker werdenden Verzahnung von Unternehmen gewinnen eine gemeinsame Sprache und standardisierte Prozesse zunehmend an Bedeutung.
Für den Bereich Projektmanagement entsteht derzeit auf internationaler Ebene die prozessorientierte Norm ISO 21500 „A Guide for Project Management“. Zum einen fließen darin existierende nationale Standards (z.B. das Prozessmodell der DIN 69901-2) ein, zum anderen werden sich die nationalen Standards zukünftig an der neuen Norm orientieren.
In diesem Vortrag werden aktuelle Ergebnisse der WEIT e.V. - Arbeitsgruppe Projektmanagement vorgestellt. Darin wird aufgezeigt, wie eine Ausrichtung des Projektmanagements im V-Modell (bzw. des V-Modell Kerns) an der ISO 21500 gestaltet sein könnte.
Die Arbeitsgruppe Projektmanagement wurde im Rahmen des WEIT. e.V. mit dem Ziel gegründet, die Verständlichkeit und Anwendbarkeit des Projektmanagements im V-Modell XT für die Anwender in der Praxis zu verbessern. Zusammen mit der GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement e.V. erarbeitet sie u. a. Vorschläge, wie eine Orientierung an bestehenden Projektmanagementnormen aussehen könnte.
>zur Programmübersicht
Gerhard Fessler
Method Park Software AG
Agilität: Wundermittel oder Teufelszeug?
Nach der "Verkündung" der Software-Krise, spätestens aber seit der NATO-Tagung 1968 in Garmisch-Partenkirchen, wurden viele Lösungsansätze entwickelt. In den 1990er Jahren kulminierten viele dieser Ansätze in Modellen und Standards wie z.B. ISO 9003, ISO 12207, SW-CMM, V-Modell. Zusammenfassend werden diese oft als "schwergewichtige Prozesse" bezeichnet.
Schwergewichtige Prozesse zeichnen sich auf den ersten Blick dadurch aus, dass sie eine nicht unerhebliche Bürokratie und Dokumentation während der Softwareerstellung fordern. Viele Softwareentwickler empfanden dies nicht als angemessen und kreierten Gegenmodelle. Diese kumulierten 2001 im "Agilen Manifest" und den diversen agilen Softwareentwicklungs-Methoden, wie z.B. XP oder Scrum.
Heute kann man den Eindruck gewinnen, dass Entwickler, die mit schwergewichtigen Prozessen wie V-Modell oder RUP arbeiten, in die Nähe von in Bälde aussterbenden Dinosauriern gestellt werden.
Im Vortrag werden die Kernpunkte der schwergewichtigen Prozesse und der agilen Methoden nebeneinandergestellt und verglichen. Dabei wird auch klar, dass beide Vorgehensweisen hoch-disziplinierte Softwareentwicklungs-Methoden sind, dass also die oft bei eher oberflächlicher Betrachtung anzutreffende Gleichsetzung von agilen Methoden und dem "Cowboy Coding" in keiner Weise zutreffend ist.
Der Referent hat sowohl mit schwergewichtigen Prozessen als auch mit agilen Vorgehensweisen Erfahrungen in unterschiedlichen Organisationen, Organisationsgrößen (bis zu mehreren 100 Entwicklern pro Projekt), Organisationsformen und Anwendungsfällen. Aus dieser Erfahrung heraus wird aufgezeigt, unter welchen Rahmenbedingungen die zwei Vorgehensweisen zur erfolgreichen Entwicklung von Software verwendet werden können und welche Aspekte dabei nicht vernachlässigt werden dürfen.
Eine Erfahrung ist, dass Organisationen häufig - auch in Festpreis-Projekten - agile Methoden anwenden, oft ohne dies so zu bezeichnen und manchmal auch ohne dies zu bemerken.
Eine andere Erfahrung ist, dass in größeren Festpreis-Projekten mit klar festgelegtem Projektumfang, agile Methoden nach derzeitigem Wissen höchstens in Details und untergeordnet eingesetzt werden können, dann aber nützlich sein können.
>zur Programmübersicht
Alex Bepple
it-agile GmbH
Chancen und Herausforderungen beim Einsatz von Scrum in Festpreiskonstellationen
Scrum geht idealtypisch davon aus, dass Funktionsumfang und Entwicklungskosten einer Software nicht gleichzeitig fixiert werden. Festpreiskonstellationen beschränken die Vorteile agilen Vorgehens, indem sie das Risiko auf den Auftragnehmer verlagern und so für ihn Anreize schaffen, an der Prozessqualität zu sparen und so Software zu erstellen, die für den Kunden einen geringeren Wert schafft. Nichtsdestotrotz bietet eine agile Vorgehensweise auch in einer Festpreiskonstellation erhebliche Vorteile für die Softwareentwicklung: Fokus auf Wert schaffenden Aktivitäten, schnelle Reaktion auf Veränderungen, kurze Durchlaufzeit für Anforderungen, Just-in-time-Detaillierung von Anforderungen.
>zur Programmübersicht
Jens Müller
microTOOL GmbH
Sprinten mit dem V-Modell XT - Wie man agiles Vorgehen nach Scrum mit dem V-Modell XT kombiniert
Einfache Regeln, wenige Rollen, hohe Agilität – das ist Scrum, der derzeit wohl populärste Vertreter agiler Projektmanagementprozesse. Flexibel, anpassbar, skalierbar und dazu eine klare Schnittstelle für die Zusammenarbeit von Auftraggebern und Auftragnehmern – das ist das V-Modell XT.
Was tun, wenn man einem Auftraggeber gegenüber zum Einsatz des V-Modells XT verpflichtet, aber Scrum in den eigenen Teams etabliert ist? Auf der einen Seite also das V-Modell XT mit seinen gut dreißig Rollen und fast hundert Arten von Artefakten. Auf der anderen Seite Scrum mit drei Rollen, einer guten Handvoll von Artefakten und einigen wenigen Meetings. Kann man diese beiden unterschiedlichen Prozesse kombinieren?
Der Vortrag stellt einen pragmatischen Ansatz vor, wie Scrum zum Vorteil beider Parteien, dem Auftraggeber und dem Auftragnehmer, in V-Modell XT Projekten zur Projektsteuerung angewendet werden kann.
>zur Programmübersicht
Dirk Schreiber
Beschaffungsamt des Bundesministeriums des Inneren
Agile Vorgehensmodelle und öffentliche Beschaffungen nach VOL
Die Verdingungsordnung Teil A (VOL/A) für Leistungen stellt für bestimmte spezifische Siutationen (VOL §3a) Möglichkeiten zur Verfügung, Softwareentwicklungsprojekte auf Basis eines iterativen oder evolutionären Ansatzes durch zu führen. Der Vortrag skizziert auf Basis eines Artikels, den Bernd Österreich im Objekt-Spektrum 2006 veröffentlichte, wie verschiedene Möglichkeiten der Gestaltung von Ausschreibungen und Preismodelle in unterschiedlichen Ausgangssituationen mit iterativen Vorgehensweisen in Projekten in Einklang gebracht werden können.
Der Vortrag stellt anhand von Beispielen aus eigener Erfahrung und durchgeführten Vergaben im Beschaffungsamt dar, wie Ausschreibungen in Situationen gestaltet wurden, in denen das Ergebnis der Entwicklung zum Zeitpunkt der Ausschreiung nicht abschliessend beschrieben werden konnte.
Als Resumé ist festzuhalten, dass
1. die Abbildungslücke zwischen den Hilfsmitteln der VOL /A , den EVB-IT-Vertragsmustern, der UfAB und den existierenden Vorgehensmodellen sehr gross ist und keine Hilfsmittel/Anleitungen/Muster zur Verfügung stehen, um Ausschreibungen zu gestalten, in denen ein iterativ-inkrementelles VM angewendet werden soll,
2. bei den öffentlichen Auftraggebern (soweit dem Referenten bekannt) bisher nur wenige praktische Erfahrungen mit Softwareprojekten auf Basis eines iterativ-inkrementellen Vorgehensmodells bestehen,
3. auch bei den auf eine öffentliche Ausschreibung anbietenden Unternehmen sich selten entsprechende Angebote/Nebenangebote finden. Dies legt die Vermutung nahe, dass auch in den Entwicklungsfirmen diese Vorgehensmodelle noch nicht durchgängig gelebte Arbeitsweisen darstellen.
>zur Programmübersicht
Stand 21.10.09